Massivholzhandbuch 2.0

EINLEITUNG MASSIVHOLZHANDBUCH 2.0

EINLEITUNG © Binderholz GmbH & Saint-Gobain Rigips Austria GesmbH 2. Auflage, März 2022 Alle Angaben dieser Druckschrift entsprechen dem neuesten Stand der Entwicklung und wurden nach bestem Wissen und Gewissen für Sie erarbeitet. Da wir stets bestrebt sind, Ihnen die bestmöglichen Lösungen anzubieten, sind Änderungen aufgrund anwendungs- oder produktionstechnischer Verbesserungen vorbehalten. Versichern Sie sich, ob Sie die aktuellste Ausgabe dieser Druckschrift vorliegen haben. Druckfehler sind nicht auszuschließen. Die vorliegende Publikation richtet sich an geschulte Fachkräfte. Eventuell enthaltene Abbildungen von ausführenden Tätigkeiten sind keine Verarbeitungsanleitungen, es sei denn, sie sind als solche ausdrücklich gekennzeichnet. Die Renderings und Schnittdarstellungen der einzelnen Aufbauten sind nicht maßstabgetreu abgebildet; sie dienen der Veranschaulichung. Unsere Produkte und Systeme sind aufeinander abgestimmt. Ihr Zusammenwirken ist durch interne und externe Prüfungen bestätigt. Sämtliche Angaben gehen grundsätzlich von der ausschließlichen Verwendung unserer Produkte aus. Sofern nicht anders beschrieben, kann aus den Angaben nicht auf die Kombinierbarkeit mit fremden Systemen oder auf die Austauschbarkeit einzelner Teile durch fremde Produkte geschlossen werden; insoweit kann keine Gewährleistung oder Haftung übernommen werden. Bitte beachten Sie auch, dass unsere Geschäftsbeziehungen ausschließlich unseren allgemeinen Verkaufs-, Liefer- und Zahlungsbedingungen (AGB) in der aktuellen Fassung zugrunde liegen. Unsere AGB erhalten Sie auf Anfrage oder finden Sie im Internet unter www.binderholz.com und www.rigips.com. Wir freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit und wünschen Ihnen stets gutes Gelingen mit unseren Systemlösungen. Herausgeber Binderholz GmbH und Saint-Gobain Rigips Austria GesmbH Technische Umsetzung Dipl.-Ing. (FH) Tim Sleik, Dipl.-Ing. Christian Kolbitsch und Dipl.-Ing. (FH) Jens Koch Grafische Umsetzung Werbeagentur Goldfeder − Jasmin Brunner Fotos binderholz, Rigips Austria, Daniel Shearing, Waugh Thistleton, b&k structures, www.christof-reich.com, Müller-Naumann HOTLINES: Binderholz Bausysteme GmbH Saint-Gobain Rigips Austria GesmbH Tel. +43 6245 70500 Tel. +43 1 616 29 80-517 www.binderholz.com www.rigips.com

EINLEITUNG INHALT Das Massivholzhandbuch 2.0 6 Verbesserungen und Erweiterungen 7 Prüfinstitute 8 Zulassung und Bauteildatenbank 8 Aufbauten mit zusätzlichen Details online verfügbar 9 Zwei Partner, eine Vision 10 binderholz – Ideen freien Lauf lassen 10 Rigips – Nachhaltigkeit in der DNA 11 binderholz Brettsperrholz BBS 11 Rigips Trockenbausysteme 11 Vorteile des Holzbaus 12 Massivholz ist natürlich, schön und behaglich 12 Ökobonus Holz 13 Behaglichkeit und Luftgüte 14 Schlanke, leichte Konstruktionen mit hohem Vorfertigungsgrad 14 Natürlich 14 Nachhaltigkeit 15 Vorfertigung 15 Wirtschaftlichkeit 15 Zeitersparnis 15 Langlebigkeit und Wertbeständigkeit 16 Stabilität und Leichtigkeit 16 Mehr Nettonutzfläche durch schmalere Wandaufbauten 16 Lärmfrei, staubfrei, regendicht 17 Bauen mit System 18 Massive Sicherheit 18 Leben mit Holz 18 Abbildungsverzeichnis 19

EINLEITUNG 4

EINLEITUNG 5 „Es ist an der Zeit, das Substantielle des Holzes auf breiter Basis wiederzuentdecken. Das Konstruieren mit diesem gesunden Material erschließt in jeder Beziehung neue Horizonte. Die Einbeziehung unserer Technologie und ein neuer ästhetischer Bezug sind die große Chance zukunftiger Holzverwendung.“ Architekt Josef Lackner, 1979

EINLEITUNG 6 DAS MASSIVHOLZHANDBUCH 2.0 Das Massivholzhandbuch stellt ein detailliert ausgearbeitetes Nachschlagewerk für Architekten, Planer, Bauherren sowie Ausführende und an Massivholzbaulösungen interessierte Investoren dar. Das Handbuch entstand durch zwei Partner, die eine Vision teilen: Beide wollen die richtigen Systeme für einen lebenswerten Wohnraum sowie für die Errichtung nachhaltiger Gebäude entwickeln und bereitstellen. Dieser Vorsatz verbindet binderholz mit Saint-Gobain Rigips Austria und macht sie so zu einem perfekten Team, denn jedes Bauwerk ist eine Symbiose der unterschiedlichsten Materialien. Eine besondere Kombination ist die Verbindung von binderholz Brettsperrholz BBS und Trockenbausystemen. Die Vorteile des einen Werkstoffs verstärken die des anderen. Das Handbuch erläutert kurz die Vorteile des Holzbaus, bietet wertvolle Informationen zum Thema Umweltschutz und erklärt bauphysikalische Details. Hier geht es im Speziellen um Brand-, Schall- und Wärmeschutz. Das wichtigste und umfassendste Kapitel beschreibt geprüfte Konstruktionsaufbauten. Das überarbeitete Massivholzhandbuch 2.0 bietet weiterhin alle Systemlösungen der vorherigen Version, diese jedoch erweitert um verbesserte Vergleiche, neue und umfangreichere Ergebnisse, mehr Informationen zum Thema Nachhaltigkeit sowie detailreichere Aufschlüsselungen verschiedenster Thematiken rund um den Massivholzbau.

EINLEITUNG 7 Wohnen im Park, Mondsee | AT Grünes Zentrum, Holzkirchen | DE Dalston Lane, London | GB Verbesserungen und Erweiterungen Schalltechnisch sind zusätzliche Aufbauten von Wohnungstrennwänden mit beidseitiger Installationsebene geprüft worden, die nur eine tragende BBS Wandschale enthalten. Diese bringen im Vergleich zu zweischaligen Aufbauten (zwei getrennte BBS Elemente je Aufbau) einen deutlichen wirtschaftlichen Vorteil, wie zum Beispiel Raumgewinn durch geringere Wandstärke, Materialeinsparung u.v.m. Im Massivholzhandbuch 2.0 werden nicht nur die Bauteile schalltechnisch bewertet, sondern es wurden auch die Schallnebenwege über flankierende Bauteile und Bauteilanschlüsse berücksichtigt. Hierzu wurden die Ergebnisse der Berechnungsmodelle und Prüfungen des Forschungsprojekts „Vibroakustik im Planungsprozess für Holzbauten“ aufgearbeitet. Neu entwickelte Werkstoffe von Saint-Gobain wurden umfangreich getestet. Außenwände mit unterschiedlichen Wärmedämm-Verbundsystemen von Weber sowie neueste Dämmstoffe von Isover wurden berücksichtigt. Durch die untersuchten Optimierungen konnten Beplanungsstärken reduziert werden, wie zum Beispiel Systeme mit nur einer Lage 12,5 mm starken Beplankungen aus Rigips Feuerschutzplatten in Wand-, Decken- und Dachkonstruktionen. © b&k structures © www.christof-reich.com © Müller-Naumann

EINLEITUNG 8 Prüfinstitute Getestet wurde in akkreditierten Prüfanstalten. Diese besitzen langjährige Erfahrung durch Forschungs- und Überwachungstätigkeit im In- und Ausland. Die bauphysikalische und ökologische Bewertung der Konstruktionen erfolgte ausschließlich durch die im Folgenden aufgeführten Institute. Zulassung und Bauteildatenbank FEUERWIDERSTANDSPRÜFUNG Das IBS und die MFPA Leipzig haben Brettsperrholz BBS für tragende und nicht tragende Bauteile, auch in Kombination mit Rigips Systemen, einer Vielzahl an Brandprüfungen unterzogen und Funktionalität und Sicherheit klassifiziert. ÖKOLOGIE Das Österreichische Institut für Bauen und Ökologie (IBO) sowie das Institut für Baubiologie Rosenheim (IBR) prüfen und bewerten regelmäßig Bauprodukte und zertifizieren sie nach deren Unbedenklichkeit als empfohlenen Baustoff. WÄRMESCHUTZ Die Kennwerte der hochwertig gedämmten Außenbauteile wurden durch das Österreichische Institut für Bauen und Ökologie (IBO) berechnet. EUROPAWEIT ZUGELASSEN binderholz Brettsperrholz BBS und die Saint-Gobain Bauprodukte sind europaweit zugelassene Baustoffe. Brettsperrholz BBS erhielt die Europäische Technische Zulassung ETA-06 / 0009 bereits im Jahr 2006. Rigips Riduro Holzbauplatten und Rigidur H Gipsfaserplatten besitzen zusätzlich zur EN-Klassifizierung auch eine europäische technische Zulassung für besondere Eigenschaften. BAUBOOK Alle Aufbauten dieses Handbuchs wurden beurteilt und stehen im baubook zur Verfügung. Das baubook bildet eine Online-Plattform ökologischer Bauprodukte zur Orientierung und Information für Hersteller, Händler, Bauherren, Planer, Experten und Interessierte. Es dient zur Unterstützung der Umsetzung nachhaltiger Gebäude, aber auch als Nachschlagewerk zu Themen wie zum Beispiel Wohnbauförderungen und klimaaktiv-Kriterien. SCHALLSCHUTZ Alle schalltechnischen Untersuchungen wurden vom ift Rosenheim und der Holzforschung Austria durchgeführt. Ihre umfangreichen Erfahrungen im Holzbau tragen maßgeblich zur Entwicklung wirtschaftlicher Lösungen bei.

EINLEITUNG 9 Aufbauten mit zusätzlichen Details online verfügbar Unser Massivholzhandbuch-Online-Tool finden Sie unter www.massivholzhandbuch.com. In dieser Datenbank stehen alle abgebildeten Aufbauten sowie ergänzende Details und Bauteilknoten zur Verfügung. Ihr Vorteil: Sie können sich alle Zeichnungsdateien und Unterlagen direkt herunterladen und in Ihrem CAD-Programm verwenden.

EINLEITUNG 10 ZWEI PARTNER, EINE VISION Systeme für einen lebenswerten Wohnraum sowie nachhaltige und funktionale Gebäude entwickeln – das ist die Vision, die binderholz und Saint-Gobain Rigips Austria verbindet. binderholz – Ideen freien Lauf lassen Der Name Binder steht in der Holzbranche für Traditionsbewusstsein und Seriosität, vereint mit Hightech und Innovation. Vor mehr als 60 Jahren noch ein kleiner Sägewerksbetrieb, präsentiert sich das Familienunternehmen binderholz heute als ein führendes, mit modernsten Technologien und Fertigungsmethoden ausgestattetes Unternehmen mit entsprechender Reputation auf dem Markt. Neben dem Stammhaus in Fügen, Österreich zählen 28 weitere Standorte zum Unternehmen binderholz. An fünf österreichischen, fünf deutschen, vierzehn britischen, einem lettischen, zwei finnischen sowie zwei US-amerikanischen Standorten teilen rund 5.000 MitarbeiterInnen ihre Leidenschaft für Holz. Die Massivholz-Produktpalette reicht von Schnittholz, Profilholz, ein- und mehrschichtig verleimten Massivholzplatten, Brettschichtholz bis hin zu binderholz Brettsperrholz BBS. Hinzu kommen Produkte für den Do-it-yourself Bereich wie Gartenholz, Konstruktionsholz und Vielzweckplatten. In der Produktion anfallende Resthölzer werden zu Biobrennstoffen, Ökostrom, Pressspanpaletten und Pressspanklötzen verarbeitet. Der verantwortungsvolle Umgang mit dem wunderbaren Rohstoff Holz und der Umwelt garantiert hochwertige Massivholzprodukte und Biobrennstoffe. binderholz sorgt für den richtigen Rohstoff. Alle Produkte werden nachhaltig und effizient nach dem Zero-Waste-Prinzip produziert und die Ressource Holz wird zu 100% verwertet. Diese ressourcenschonende und energieeffiziente Verarbeitung sichert ein ökologisches, kostenbewusstes und individuelles Endprodukt. Durch energie- und umweltorientierte Lösungen kann Holz mit gutem Gewissen verwendet werden. binderholz verdankt seinen Ruf der intensiven Kundenbetreuung und Kundennähe, einer entsprechend auf den Markt abgestimmten Produktpalette und Preispolitik sowie dem binderholz Qualitätsmanagement. binderholz steht seinen Kunden mit langjähriger Erfahrung sowie erprobten und geprüften Baulösungen aus Massivholz als kompetenter Partner zur Seite. Experten der leistungsstarken technischen Abteilung bieten umfassende Beratung und fundierten Service. Die qualifizierten Ingenieure, Bautechniker und technischen Zeichner unterstützen kompetent in allen Fragen der Statik und Konstruktion, der Bauphysik und des Brandschutzes. Auch beim Erarbeiten von Gebäudekonzepten, Tragwerksentwürfen und Detaillösungen steht Ihnen das erfahrene binderholz Expertenteam wirksam zur Seite. Jedes Bauwerk ist eine Symbiose der unterschiedlichsten Materialien. Eine besondere Kombination ist die Verbindung von binderholz Brettsperrholz BBS und Trockenbausystemen von Saint-Gobain Rigips Austria. Die Vorteile des einen Werkstoffs verstärken die des anderen. Nachhaltigkeit, der sorgsame Umgang mit Ressourcen und der energieeffiziente Betrieb der Gebäude spielen in diesen Überlegungen eine besondere Rolle. Um dieses Ziel zu verwirklichen, bündeln die Unternehmen ihr Know-how, ihr Entwicklungspotenzial und ihre Beratungskompetenz.

EINLEITUNG 11 Rigips – Nachhaltigkeit in der DNA Rigips gehört zu den bedeutendsten Marken für moderne Innenausbaulösungen auf dem deutschsprachigen Markt und ist Teil der SaintGobain Gruppe, einem der 100 größten Industrieunternehmen weltweit. Rigips bietet vielfältige Systemlösungen inklusive aller hierfür benötigten Komponenten für den modernen, trockenen und designorientierten Innenausbau. Die Schonung der natürlichen Ressourcen ist für das Unternehmen besonders wichtig. Daher gehen die strengen Bestimmungen, die sich das Unternehmen auferlegt hat, weit über die gesetzlich vorgeschriebenen Werte hinaus. Rigips Austria wurde im Jahr 1971 gegründet und hat über die letzten Jahrzehnte hinaus den Trockenbau in Österreich geprägt. Mittlerweile zählt das Unternehmen drei Standorte in Österreich und zusätzlich mehrere Vertriebsstandorte in südosteuropäischen Ländern. Während die Kapazität ständig ausgebaut wird, haben sich die Schadstoffemissionen gegen null hin minimiert und der Energieverbrauch wurde um mehr als 30% reduziert. Rigips Deutschland hat neun Produktionsstätten und zwei Logistikzentren innerhalb Deutschlands. Hier werden unter der Marke Rigips Gipsplatten, Gipsfaserplatten, Trockenestrich und Zubehör entwickelt, produziert und vermarktet. Nachhaltigkeit spielt für Rigips eine wesentliche Rolle. Daher sind die innovativen Rigips Systeme die ideale Ergänzung für den Holzbau. Sie ergänzen die natürlichen Vorteile des Baustoffs Holz mit den ökologischen Produkten von Rigips. binderholz Brettsperrholz BBS Brettsperrholz BBS (siehe Abbildung 1) ist mehrschichtig und vollkommen massiv aus Holz aufgebaut. Durch das Verkleben von Längs- und Querlagen wird das „Arbeiten“ des Holzes, also das Quellen oder Schwinden, auf ein vernachlässigbares Maß reduziert. So kann es die Anforderungen an einen modernen Baustoff sicher erfüllen. Der Baustoff ist monolithisch, also gewissermaßen „ein Stück Holz“, mit 0,6% ökologisch unbedenklichem Leim. Das massive Fertigteil kann hohe Lasten tragen, ist brandsicher, lässt sich schnell und trocken verbauen und wirkt schall- und wärmedämmend. Es reguliert die Raumluftfeuchte und schafft so ein behagliches und ausgeglichenes Raumklima – im Sommer wie im Winter. Es erleichtert die Planung und das Bauen. Brettsperrholz BBS garantiert definierte bauphysikalische und mechanische Eigenschaften; deshalb lässt sich die geplante Bauphysik leicht umsetzen und auch prüfen. Von vielen Planern wird das als einer der größten Vorteile der BBS Bauweise genannt. Keine Vielschichtigkeit der Konstruktion, keine Folien, keine komplizierten Details: Planung, Bau und Kontrolle – alles ganz einfach. Abbildung 1 – binderholz Brettsperrholz BBS Rigips Trockenbausysteme Der trockene Innenausbau mit Systemen aus Gipskarton- und Gipsfaserplatten (siehe Abbildung 2) hat sich in der Architektur sowohl im privaten als auch im öffentlichen Raum aus mehreren Gründen etabliert: Trockenbausysteme sind standardisiert, einfach zu montieren und erlauben dennoch die Verwirklichung anspruchsvoller gestalterischer Räume. Aufgrund ihrer Zusammensetzung sind Gipsprodukte bestens geeignet, brandschutztechnische, akustische und schallschutztechnische Aufgaben zu lösen und können in Feuchträumen dauerhaft eingesetzt werden. Rigips Platten werden baubiologisch empfohlen und tragen zu einem behaglichen Raumklima bei. Abbildung 2 – Trockenbausysteme von Saint-Gobain Rigips Austria

EINLEITUNG 12 VORTEILE DES HOLZBAUS Internationale Studien bescheinigen dem Holzbau eine großartige Zukunft. War bis vor Kurzem die ökologische Komponente ausschlaggebend, so kommen nun zunehmend handfeste ökonomische Argumente ins Spiel. Massivholz ist natürlich, schön und behaglich Mit Massivholzprodukten und Baulösungen von binderholz entstehen Bauprojekte, die alle normativen Anforderungen an die Bauphysik und den Brandschutz erfüllen. Die Massivholzbauten sind wertsicher, stabil und werden höchsten Ansprüchen an Qualität, Wirtschaftlichkeit und ökologischer Nachhaltigkeit gerecht. Um dies zu garantieren, werden alle binderholz Baulösungen praxisorientiert entwickelt, umfassend geprüft und zertifiziert. Zudem erlauben sie eine schnelle, trockene, saubere und geräuscharme Bauweise. Dank der umfangreichen Forschungs-, Entwicklungs- und Zertifizierungsarbeit von binderholz lassen sich Massivholzbauten heute im Rahmen der baugesetzlichen Möglichkeiten technisch so umsetzen, dass sie zuverlässig alle allgemeingültigen Baunormen erfüllen. Eine Vielzahl an erfolgreich realisierten Referenzobjekten und die stetig steigende Nachfrage beweisen, dass der Massivholzbau ebenso beliebt wie wirtschaftlich konkurrenzfähig ist. Technische und wirtschaftliche Aspekte sind jedoch nur die eine Seite. Hinzu kommen weitere gute Gründe, die für den Massivholzbau sprechen. © Waugh Thistleton

EINLEITUNG 13 Bei der Frage nach geeigneten Baulösungen und Baumaterialien spielen Kriterien wie Ökologie, Nachhaltigkeit, Lebenszykluskosten, Recycling und ein schonender Umgang mit Ressourcen eine immer wichtigere Rolle. In diesen Punkten ist der Massivholzbau allen konventionellen Bauweisen klar überlegen. Ergänzend kommt bei binderholz Baulösungen die hohe Qualität bei vergleichsweise niedrigem Bauzeit- und Kostenaufwand dazu. Zudem produziert binderholz nach dem Zero-Waste-Prinzip. Dabei wird der Rohstoff Holz weitgehend klimaneutral und zu 100% verwertet. Das beginnt bei der schonenden Holzernte in ausschließlich nachhaltig bewirtschafteten Wäldern und mündet in ein breites Angebot massiver Holzbauprodukte. Alle bei der Herstellung anfallenden Nebenprodukte werden vollständig verwertet und in eigenen Biomasse-Heizkraftwerken in grüne Energie umgewandelt oder für die Produktion von Biobrennstoffen genutzt. Darüber hinaus zeichnen sich binderholz Baulösungen durch ihren hohen Grad an Wiederverwertbarkeit aus und lassen sich am Ende ihres Lebenszyklus vollständig ökologisch recyceln. So sichert binderholz einen schonenden und intelligenten Umgang mit dem Rohstoff Holz. Projekte wie zum Beispiel die Dalston Lane in Großbritannien mit neun Geschoßen sowie Liftschächten aus binderholz Brettsperrholz BBS beweisen die Leistungsfähigkeit der Massivholzbauweise eindrucksvoll. Holz hat von allen Baustoffen die beste Leistungsfähigkeit: Dies ist das Verhältnis von Gewicht und Tragkraft. Damit lassen sich in Holzbauweise errichtete Gebäude auf besonders schwierigen Grundstücken, wie etwa einem Bergrücken im Tiroler Zillertal, ebenso realisieren wie Dachaufbauten auf Gründerzeithäusern der Wiener Innenstadt. Holz ist der am häufigsten gewählte Baustoff, wenn es um Niedrigenergie- und Passivhäuser geht – aus gutem Grund, wie Experten wissen, denn Holz schafft es, die bauphysikalischen Anforderungen in höchstem Maße zu erfüllen. Viele Menschen entscheiden sich für Holz aufgrund seiner raumklimatischen Eigenschaften: der angenehmen Oberflächentemperatur und der Fähigkeit, Temperatur- und Feuchtigkeitsspitzen auszugleichen. Holz wirkt sich ebenso wie Gips positiv auf das Wohlbefinden der Menschen und damit auf ihre Gesundheit aus. Auch das ist nicht nur ein wirtschaftlicher, sondern auch ein volkswirtschaftlicher Faktor. Ökobonus Holz Der Naturrohstoff Holz bietet gegenüber konventionellen Baumaterialien auch unter Umweltschutzaspekten zahlreiche Vorteile Wohlbefinden Ausgleich Nachhaltigkeit Wachstum natürlicher Kohlenstoffspeicher Klimaschutz Energiespeicher ÖKOLOGIE Recycling Umwelt Raumklima Energieeffizienz

EINLEITUNG 14 Behaglichkeit und Luftgüte Massivholz steht für Wohlbefinden und Wohnbehaglichkeit. Dafür sorgen allein schon die vielseitigen architektonischen Gestaltungsmöglichkeiten. So lassen sich im Inneren eines Gebäudes beispielsweise die sichtbaren Oberflächen verschiedener Holzarten wie Fichte, Zirbe, Weißtanne oder BBS Antique miteinander kombinieren und durch Farblasuren sowie geschliffene oder gebürstete Oberflächen weiter individualisieren. Zusammen mit den hervorragenden Eigenschaften der Holzmasse als Wärme- und Feuchtespeicher garantieren die warmen Holzoberflächen ein ausgeglichenes Wohnklima und ein hohes Maß an Behaglichkeit. Bauprodukte von Saint-Gobain sind unter anderem mit dem Blauen Engel oder Indoor-Air-Zertifikaten ausgezeichnet und tragen wesentlich zum guten Raumklima bei. Rigips Activ'Air-Gipsplatten können nicht nur Schadstoffe aus der Luft aufnehmen, sondern wandeln diese sogar in inerte Stoffe um. Diese positiven Eigenschaften wurden bereits in vielen Gebäuden im In- und Ausland eingesetzt. Schlanke, leichte Konstruktionen mit hohem Vorfertigungsgrad binderholz Baulösungen ermöglichen einen sehr hohen Vorfertigungsgrad. Dies verkürzt die Bauzeiten erheblich und gewährleistet eine hohe Qualität. Zudem überzeugen Massivholzkonstruktionen im Vergleich zu konventionellen Bauweisen durch ein wirtschaftlich attraktives Verhältnis von Brutto- zu Nettowohnfläche. Diese Tatsache gewinnt mit Blick auf die Baukosten gerade im urbanen Raum zunehmend an Bedeutung. Oftmals führen auch intelligente Kombinationen aus Massivholz und herkömmlichen Baumaterialien wie Beton, Stahl und Glas zu wirtschaftlichen Hybridlösungen. Diese verbinden die Vorzüge traditioneller Materialien mit den Vorteilen der massiven Holzbauweise. Ein großer Vorteil ist zum Beispiel das vergleichsweise geringe Gewicht von Massivholz. Buchstäblich zum Tragen kommt diese Stärke bei Gebäudeaufstockungen. Hier überzeugt Massivholz durch seine konstruktiven Möglichkeiten und durch die Tatsache, dass sein vergleichsweise geringes Gewicht die Belastung auf das Gebäude nicht wesentlich erhöht. Natürlich Da beim Massivholzbau natürliches Holz ohne Bauchemie verwendet wird, wirkt sich ein Hausbau aus Massivholz sogar positiv auf die Gesundheit aus. Billige Baustoffe und Möbel können bedenkliche Stoffe freisetzen, dadurch entstehen möglicherweise Allergien und andere Erkrankungen. Um der Entstehung solcher Erkrankungen bewusst entgegenzuwirken, sollte man auf baubiologisch unbedenkliche Materialien setzen. Massivholz ist ein vollkommen unbelastetes Baumaterial und stärkt darüber hinaus sogar noch das Immunsystem und vitalisiert das Nervensystem. Holzräume wirken beruhigend und sorgen für ein angenehmes Raumklima. Von Rigips Austria produzierte Gipsplatten bestehen aus natürlichem Gips und werden regelmäßig vom IBO auf ihre unbedenklichen Eigenschaften geprüft.

EINLEITUNG 15 Nachhaltigkeit Nachhaltigkeit ruht auf drei Säulen: einer ökonomischen, einer ökologischen und einer gesellschaftlichen. Alle drei müssen im Einklang stehen, damit von Nachhaltigkeit gesprochen werden kann. Bauen mit Holz erfüllt sie alle. Bauen mit Holz ist wirtschaftlich. Bauen mit Holz ist ökologisch, weil Holz ein nachhaltiger Rohstoff ist. Und Bauen mit Holz ist gesellschaftlich wertvoll, weil Holzbauten energetisch optimiert und deshalb dauerhaft leistbar sind. Holz ist ein nachwachsender Rohstoff mit positivem Einfluss auf das Umweltklima. Während ihres Wachstums wandeln Bäume CO2 und Wasser in Sauerstoff um. Wird Holz als Baustoff verwendet, dient es für viele Jahre als sicherer CO2-Speicher. Jeder Kubikmeter Holz, der als Ersatz für andere Baustoffe zum Einsatz kommt, reduziert die CO2Emissionen in die Atmosphäre um durchschnittlich 1,1 Tonnen. Gips ist zu 100% unendlich recycelbar. Durch schlanke, ressourcenschonende Bauteile trägt Rigips zum nachhaltigen Bauen über den gesamten Lebenszyklus bei. Vorfertigung Holzbauelemente werden nahezu komplett vorgefertigt (siehe Abbildung 3). Daraus ergeben sich qualitative und terminliche Vorteile. In den Produktionshallen herrscht gleichmäßige Luftfeuchtigkeit und Temperatur. Die Monteure arbeiten unter gleichbleibenden Rahmenbedingungen, und die Konstruktionen sind vor Witterungseinflüssen geschützt. Die Arbeiten nachfolgender Gewerke wie Elektro- und Sanitärinstallationen werden weitestgehend vorbereitet, sodass der Baufortschritt auf der Baustelle koordiniert und zügig vorangeht. Abbildung 3 – Produktionsüberwachung aus dem Leitstand am binderholz Brettsperrholz BBS Standort Unternberg Wirtschaftlichkeit Das geringe Eigengewicht von Holz- und Trockenbaukonstruktionen verringert den Aufwand für Gründung und Fundamente. Der hohe Grad an Vorfertigung erleichtert die Abwicklung auf der Baustelle und sichert standardisierte und überprüfbare Qualität. Die Baustelleneinrichtungen können reduziert werden, der logistische Aufwand ist geringer. Die trockene Bauweise verkürzt die Bauzeiten erheblich und ermöglicht damit eine frühere Nutzung der Gebäude, was wiederum die Finanzierungszeiträume deutlich reduziert. Zeitersparnis Die Zeitersparnis durch die Verwendung von binderholz Brettsperrholz BBS in Kombination mit Rigips Trockenbausystemen kann bei der Errichtung großvolumiger Gebäude beträchtlich sein. Der hohe Grad an Vorfertigung verkürzt die Bauphase erheblich. Tragende Wandelemente müssen nur noch versetzt und miteinander verbunden werden. Trocknungszeiten für Mauerwerk oder Estriche entfallen durch den Einsatz von Rigips Trockenbausystemen. Aufgrund ihres vergleichsweise geringen Gewichts können diese Holzfertigelemente auch sehr großflächig dimensioniert sein. Da die Installationen in der Ebene zwischen Gipskartonsystem und Holzelement geführt werden, entfällt das nachträgliche Stemmen und Verputzen.

EINLEITUNG 16 Langlebigkeit und Wertbeständigkeit Lange Tradition im Handwerk und in der Industrie sowie gezielte Forschung und Entwicklung haben die Erfahrungen geschaffen, für die verschiedenen Anwendungen das richtige Produkt in geeigneter Weise einzusetzen. Österreichische Institutionen und Unternehmen sind international führend bei der Produktion und Weiterentwicklung von Holz und Holzwerkstoffen sowie bei modernsten Fertigungs- und Verarbeitungstechniken. Im modernen Holzbau unterliegen alle Firmen, die geschlossene Wand- und Deckenelemente fertigen, einer Eigen- und Fremdüberwachung. Darüber hinaus sind viele Firmen freiwillig Mitglieder in Güte- und Qualitätsgemeinschaften. Die Qualität der eingesetzten Holzwerkstoffe und -produkte wird über definierte Normen und Zulassungen sichergestellt. Wird Holz fachgerecht verwendet (konstruktiver Holzschutz), ist es langlebig und wertbeständig. Stabilität und Leichtigkeit Holz zeichnet sich durch eine sehr hohe statische Qualität aus. Bezogen auf sein Eigengewicht trägt Holz 14-mal so viel wie Stahl, seine Druckfestigkeit entspricht der von Stahlbeton. Mehrgeschoßige Holzbauten und weit gespannte Tragwerke sind optimale Einsatzgebiete. Der Grund für die hohe Stabilität liegt in der Mikrostruktur von Holz, die für eine hohe Belastbarkeit bei geringem Eigengewicht sorgt. Holz ist somit ein Leichtbaustoff mit ausgezeichneten technischen Eigenschaften. Trotz seines geringen Gewichts bietet Holz hohe Zug- und Druckfestigkeit und ist bei richtigem Einsatz widerstandsfähig gegenüber Witterungseinflüssen. Mehr Nettonutzfläche durch schmalere Wandaufbauten Holz hat hervorragende Wärmedämmeigenschaften, deshalb kann bei Massivholzbauten mit wesentlich schlankeren Wänden als bei konventionellen Bauten gearbeitet werden. So beträgt zum Beispiel bei einem Holzbau der Wandanteil lediglich bis zu 20% der bebauten Gesamtfläche, bei konventionellen Bauten ist dieser Anteil höher (siehe Abbildung 4 und 5). Das heißt, dass bei einem Gebäude aus Holz bei gleichen Außenmaßen bis zu 10% mehr an Wohnfläche möglich ist. Bei einem Einfamilienhaus bedeutet dies einen Raumgewinn von fast einem ganzen Zimmer. Bei größeren Projekten hat diese herausragende Baueigenschaft von Holz auch positive Auswirkungen auf die Bebauungsdichte. Es wird wesentlich weniger Grund für qualitativ hochwertigere Wohnbauten benötigt. Damit reduziert sich auch der Grundkostenanteil für alle Beteiligten. Bauen mit Holz schafft mehr Wohnraum. Abbildung 4 – Grundriss einer Wohnung im konventionellen Baustil Wohnfläche 100 m² Abbildung 5 – Grundriss einer Wohnung in Holzbauweise Wohnfläche 110 m²

EINLEITUNG 17 Lärmfrei, staubfrei, regendicht Lärm, Abfall und Staub sind drei Schlagwörter, die wohl jeder mit Bauvorhaben verbindet. Nicht so, wenn man mit Brettsperrholz BBS baut. Aufgrund des hohen Vorfertigungsgrads und der Installationsart von Massivholz, Brettsperrholz BBS im Besonderen, können Lärm, Abfall und Staub drastisch reduziert werden. Bei der Installation von Brettsperrholz BBS wird kein lärmintensiver Maschinenpark benötigt, da die einzelnen Elemente vor Ort lediglich miteinander verschraubt werden. Ein erhöhter Vorfertigungsgrad von BBS Elementen verringert die Bearbeitungsschritte vor Ort und reduziert somit die Staub-, Abfall- und auch Lärmbelastung. Da Holz keine Austrocknungszeiten benötigt und mit dem Aufsetzen des Daches die Baustelle regendicht ist, können auch mehrgeschoßige Aufstockungen innerhalb weniger Tage rasch realisiert werden. © Daniel Shearing

EINLEITUNG 18 BAUEN MIT SYSTEM Massive Sicherheit Holzbausysteme mit Brettsperrholz BBS und Rigips Trockenbausystemen erfüllen alle bauphysikalischen Anforderungen der Normen für tragende Wände, Decken und Dächer. Sie sind nach europäischen Normen geprüft und erfüllen europaweit geltende Anforderungen. In regelmäßigen Abständen werden die Produkte und Produktionsstätten fremdüberwacht sowie die Systeme weiter optimiert. Deshalb liefern binderholz Baulösungen aus Massivholz sichere und dauerhafte Bauprodukte für ein breites Anwendungsfeld. Leben mit Holz Die jahrzehntelange Erfahrung von binderholz im Umgang mit Holz, sowie das Wissen um den Aufbau, die Struktur und die Zusammensetzung des Holzes bilden die Grundlage für den modernen und zukunftsorientierten Umgang mit dem Rohstoff Holz. An mittlerweile 29 Standorten in Österreich, Deutschland, Großbritannien, Lettland, Finnland und den USA erfolgen von der statischen Planung und Bemessung der konstruktiven Holzprodukte bis hin zur Produktion und dem finalen Abbund sämtliche Verarbeitungsschritte innerhalb von binderholz (siehe Abbildung 6). Abbildung 6 – binderholz Standorte

EINLEITUNG 19 Abbildungsverzeichnis Abbildung 1 – binderholz Brettsperrholz BBS Seite 11 Abbildung 2 – Trockenbausysteme von Saint-Gobain Rigips Austria Seite 11 Abbildung 3 – Produktionsüberwachung aus dem Leitstand am binderholz Brettsperrholz BBS Standort Unternberg Seite 15 Abbildung 4 – Grundriss einer Wohnung im konventionellen Baustil Wohnfläche 100 m² Seite 16 Abbildung 5 – Grundriss einer Wohnung in Holzbauweise Wohnfläche 110 m² Seite 16 Abbildung 6 – binderholz Standorte Seite 18

2. Auflage 03 / 2022 Binderholz Bausysteme GmbH A-5400 Hallein / Salzburg Solvay-Halvic-Straße 46 Tel.+43 6245 70500 www.binderholz.com Saint-Gobain Rigips Austria GesmbH A-1230 Wien Gleichentheilgasse 6 Tel. +43 1 616 29 80-517 www.rigips.com

NACHHALTIGKEIT MASSIVHOLZHANDBUCH 2.0

NACHHALTIGKEIT © Binderholz GmbH & Saint-Gobain Rigips Austria GesmbH 2. Auflage, März 2022 Alle Angaben dieser Druckschrift entsprechen dem neuesten Stand der Entwicklung und wurden nach bestem Wissen und Gewissen für Sie erarbeitet. Da wir stets bestrebt sind, Ihnen die bestmöglichen Lösungen anzubieten, sind Änderungen aufgrund anwendungs- oder produktionstechnischer Verbesserungen vorbehalten. Versichern Sie sich, ob Sie die aktuellste Ausgabe dieser Druckschrift vorliegen haben. Druckfehler sind nicht auszuschließen. Die vorliegende Publikation richtet sich an geschulte Fachkräfte. Eventuell enthaltene Abbildungen von ausführenden Tätigkeiten sind keine Verarbeitungsanleitungen, es sei denn, sie sind als solche ausdrücklich gekennzeichnet. Die Renderings und Schnittdarstellungen der einzelnen Aufbauten sind nicht maßstabgetreu abgebildet; sie dienen der Veranschaulichung. Unsere Produkte und Systeme sind aufeinander abgestimmt. Ihr Zusammenwirken ist durch interne und externe Prüfungen bestätigt. Sämtliche Angaben gehen grundsätzlich von der ausschließlichen Verwendung unserer Produkte aus. Sofern nicht anders beschrieben, kann aus den Angaben nicht auf die Kombinierbarkeit mit fremden Systemen oder auf die Austauschbarkeit einzelner Teile durch fremde Produkte geschlossen werden; insoweit kann keine Gewährleistung oder Haftung übernommen werden. Bitte beachten Sie auch, dass unsere Geschäftsbeziehungen ausschließlich unseren allgemeinen Verkaufs-, Liefer- und Zahlungsbedingungen (AGB) in der aktuellen Fassung zugrunde liegen. Unsere AGB erhalten Sie auf Anfrage oder finden Sie im Internet unter www.binderholz.com und www.rigips.com. Wir freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit und wünschen Ihnen stets gutes Gelingen mit unseren Systemlösungen. Herausgeber Binderholz GmbH und Saint-Gobain Rigips Austria GesmbH Technische Umsetzung Dipl.-Ing. (FH) Tim Sleik, Dipl.-Ing. Christian Kolbitsch und Dipl.-Ing. (FH) Jens Koch Grafische Umsetzung Werbeagentur Goldfeder − Jasmin Brunner Fotos binderholz, Rigips Austria, b&k structures, www.christof-reich.com, Daniel Shearing HOTLINES: Binderholz Bausysteme GmbH Saint-Gobain Rigips Austria GesmbH Tel. +43 6245 70500 Tel. +43 1 616 29 80-517 www.binderholz.com www.rigips.com

NACHHALTIGKEIT INHALT Zukünftige Herausforderungen 4 Holz – DER nachhaltigste Roh- und Baustoff 5 Klimaschutz und Ressourcenschonung 7 Der Wald als Kohlenstoffsenke 8 Wie viel Holz wird benötigt, um 1 m³ Brettsperrholz BBS herzustellen? 9 Regionalität durch kurze Wege 10 Wirtschaftsfaktor Forst und Holz 11 Großer Wert, großer Nutzen 12 Das Zero-Waste-Prinzip von binderholz 13 Holzbau in Zahlen und Fakten 14 Ökobilanz und Kaskadennutzung von Holz 17 Ziele 19 Rohstoff Gips 20 Transparenz – Umweltproduktdeklaration 21 Multi-Komfort 22 Innovation 22 Mitarbeiterengagement im Zuge des Welterschöpfungstages 23 Kennzahlen 23 Abbildungsverzeichnis 24 Quellenverzeichnis 24

NACHHALTIGKEIT 4 NACHHALTIGKEIT Zukünftige Herausforderungen Mit 17 definierten Zielen, den sogenannten Sustainable Development Goals (SDGs), führt die UNECE ihre Meilensteine für eine nachhaltige Weltentwicklung auf. Diese sollen zur Bewältigung der globalen ökologischen, ökonomischen und sozialen Herausforderungen beitragen (siehe Abbildung 1). Um die Erreichung dieser Ziele zu unterstützen, wurde eine Aktionskampagne gegründet. Hierbei handelt es sich um eine Sonderinitiative des UNGeneralsekretärs, welche vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen verwaltet wird. Diese wird durch die Vereinten Nationen und die Mitgliedsstaaten bei der Bekanntmachung und der Einbindung der Öffentlichkeit in die Umsetzung der SDGs unterstützt. Die SDGs gelten für alle Staaten, Unternehmen und Zivilgesellschaften und traten am 1. Jänner 2016 mit einer Laufzeit von 15 Jahren in Kraft. Abbildung 1 – 17 SDGs der UNECE Pariser Abkommen Im Gegensatz zum Kyoto-Protokoll aus dem Jahr 1997 verpflichtet das Pariser Abkommen seit 2015 erstmals ausnahmslos alle Staaten dazu, einen nationalen Klimaschutzbeitrag („nationally determined contribution“, NDC) zu erarbeiten. Jeder Staat muss Maßnahmen zur Umsetzung beschließen und diesen auch nachkommen. Das Hauptziel ist das sogenannte 2-Grad-Ziel: Bis 2050 sollen die weltweiten Emissionen um 40% bis 70% reduziert werden, damit der kritische Temperaturanstieg von 2 Grad Celsius nicht überschritten wird. Außerdem wurden neue umfassende Regelungen zum Waldschutz beschlossen. Neue Formen für die internationale Kooperation auf Kohlenstoffmärkten werden etabliert und die Staaten dazu aufgefordert, sich besser an den Klimawandel anzupassen und globale Finanzflüsse so zu gestalten, dass der Klimaschutz im Vordergrund steht. Saint-Gobain bringt sich aktiv für die Umsetzung des Abkommens ein und steht mit seiner Kompetenz auch auf den weiterführenden Konferenzen und interessierten Gruppen aktiv zur Verfügung. Zusätzlich kann das Pariser Abkommen bereits durch gezielte Einzelmaßnahmen, wie zum Beispiel die konsequente Verwendung von Holz im Bauwesen, die Erreichung der Ziele forcieren.

NACHHALTIGKEIT 5 Holz – DER nachhaltigste Roh- und Baustoff Dem Grundsatz, in der Gegenwart nur so viel zu verbrauchen, dass in der Zukunft mehr zur Verfügung steht, folgend, ist und bleibt in der europäischen Forstwirtschaft die Nachhaltigkeit das oberste Ziel. So sollen die drei Basisfunktionen des Waldes (Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion) auch für die kommenden Generationen zur Verfügung stehen und erhalten bleiben. Vor ca. 300 Jahren wurde der Begriff Nachhaltigkeit durch Hans Carl von Carlowitz in seiner „Silvicultura oeconomica“ geprägt. Dieses Bewirtschaftungskonzept, das ursprünglich nur für die Forstwirtschaft entwickelt wurde, wird heute mehr denn je gelebt und gilt mittlerweile weltweit in Politik und Wirtschaft als das Modell für einen zukunftsorientierten Ressourceneinsatz. Das spiegelt sich auch in den offiziellen Zahlen der EU wider. So hat die Waldfläche in der EU binnen 15 Jahren um 2% zugenommen, was eine absolute Zunahme von rund 4 Millionen Hektar Waldfläche bedeutet. Gleiches gilt für die Forstwirtschaft und die Holznutzung der Wälder auf nationaler Ebene. In Österreich ist derzeit knapp die Hälfte der gesamten Landesfläche Wald (siehe Abbildung 2). Seit 1961 wurden 300.000 Hektar Fläche dazugewonnen, und mittlerweile kommen auf einen Einwohner 0,5 Hektar Wald. Davon befinden sich 82% in Privat- und 18% in öffentlichem Besitz. Da stetig mehr Holz nachwächst als geerntet wird, kann sich der österreichische Wald, anders als bei den Rodungen der Tropenwälder, kontinuierlich ausbreiten. Zurzeit beheimaten Österreichs Wälder 3,4 Milliarden Bäume und 65 verschiedene Baumarten mit einem Gesamtvorrat von 1,1 Milliarden Vorratsfestmetern. Von den 30,4 Millionen Festmetern, die in den österreichischen Wäldern jährlich nachwachsen, werden 25,9 Millionen Festmeter entnommen, um dem Prinzip der nachhaltigen Forstwirtschaft in Gänze gerecht zu werden. Abbildung 2 – Waldfläche der EU-Mitgliedsstaaten, Zuschnitt 51 proholz Austria Im Unterschied zum tropischen Regenwald fungiert Österreichs Wald zwar nicht als sogenannter „Regenmacher“, doch er sorgt dafür, dass das Land frisch und feucht bleibt. Die relative Luftfeuchte ist im Wald bis zu 10% höher als im Umland. Er regelt somit die klimatischen Verhältnisse, bindet Treibhausgase, schützt vor Lawinen und Hochwasser, fördert Biodiversität und dient sogar als Naherholungsgebiet. Zudem trägt er einen wesentlichen Teil dazu bei, dass das Trinkwasser im Land seine hohe Qualität behält. Deutschland gehört zu den Ländern Europas mit den größten Waldvorkommen. Insgesamt stehen in etwa 90 Milliarden Bäume in den Wäldern Deutschlands. Ein Drittel der gesamten Landesfläche ist mit Wald bedeckt – das entspricht 11,4 Millionen Hektar. Trotz sehr geringer Zunahme von 0,4% wächst der Wald immer weiter. Die Bundesländer, die über den flächenmäßig meisten Wald verfügen, sind Hessen und Rheinland-Pfalz mit 42%. Quelle: Der Wald in Deutschland Der deutsche Wald zeichnet sich durch eine hohe Biodiversität mit 90 Baum-, 1.215 Pflanzen- und 6.700 Tierarten aus. Ohne den Wald zu übernutzen, könnten im Inland jährlich bis zu 120 Millionen m³ Holz geerntet werden. Da der jährliche Holzverbrauch Deutschlands bei 135 Millionen m³ liegt, müssen 11% des verbrauchten Holzes imporFinnland 75% Finnland 77% Österreich 48% Italien 37% Deutschland 31% Ungarn 22% Schweden 68% 80% 70% 60% 50% 40% 30% 20% 10% Österreich 47% Slowakei 41% Tschechien 33% Italien 32% Deutschland 31% Frankreich 30% Ungarn 19% EU 19% 80% 70% 60% 50% 40% 30% 20% 10% EU 42%

NACHHALTIGKEIT 6 tiert werden. Der jährliche Holzzuwachs liegt laut der dritten Bundeswaldinventur bei 121,6 Millionen m³ Holz. Das entspricht vergleichsweise dem Vierzigfachen der Cheopspyramide. Umgerechnet wachsen so jede Sekunde im deutschen Wald 3,8 m³ Holz nach. Der Gesamtvorrat an Holz, der im deutschen Wald steht, beträgt 3,7 Milliarden m³. Somit verfügt Deutschland über die höchsten Holzvorräte in Europa. Quelle: Holzstoffbilanz Deutschland 77% der gesamten Landfläche von Finnland ist mit Wald bedeckt, das bedeutet, auf jeden Einwohner kommen 4,2 Hektar Waldfläche. Fast die Hälfte der finnischen Wälder besteht aus Kiefern, der restliche größte Teil unterteilt sich in Fichten, Moor-Birken und Hänge-Birken. Die Mehrheit der Wälder Finnlands sind Mischwälder, beheimaten somit mehr als nur eine Spezies. Insgesamt sind in Finnland 30 verschiedene heimische Spezies zu finden. Auch in der finnischen Forstwirtschaft wird nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit gewirtschaftet, da der jährliche Zuwachs der Wälder um 30% über den jährlichen Holzerntemengen liegt. Somit nimmt der finnische Wald stetig zu, und das gilt für alle Baumarten und Waldgebiete Finnlands. Seit einigen Jahren hat der jährliche Zuwachs die 100-MillionenKubikmeter-Marke überschritten. Im Jahr 2014 zum Beispiel betrug der Zuwachs 104 Millionen m³. Das Gesamtvolumen des finnischen Waldes lag 2014 bei 2.360 Milliarden m³ und seit Anfang des 21. Jahrhunderts haben die Holzvorräte Finnlands um 60% zugenommen. Quelle: Finnlands Wälder Garantierte Nachhaltigkeit entlang der Lieferkette – Chain of Custody (CoC) Um die Vorteile der nachhaltigen und ressourcenbewussten europäischen Forstwirtschaft entlang der gesamten Wertschöpfungskette für den Endnutzer zu garantieren, bedarf es einer konsequenten Überwachung entlang der Liefer- und Produktionskette – vom Baum bis zum Kunden! Auf Ebene der EU-Mitgliedsstaaten sorgen länderspezifische Waldgesetze für die Einhaltung einer nachhaltigen und angepassten Forstwirtschaft. Diese werden im internationalen Wirtschaftsraum in Form eines gesetzlichen Rahmens durch die Europäische Union gewährleistet, um eine konsequente Kontrolle und Überwachung der nachhaltigen Lieferkette zu ermöglichen. Der FLEGT-Aktionsplan und die EUTR Mit dem FLEGT-Aktionsplan (Forest Law Enforcement, Governance and Trade) hat die EU einen breiten Maßnahmenkatalog beschlossen, um das globale Problem des unkontrollierten und illegalen Holzeinschlags wirkungsvoll zu bekämpfen. Ein wichtiger Punkt im FLEGTAktionsplan ist dabei die Europäische Holzhandelsverordnung (EUTR = European Timber Regulation). Im Kern fordert diese von allen europäischen Marktteilnehmern, sich ihrer Verantwortung bei der weltweiten Beschaffung von Holz und Holzprodukten zu stellen, um so auf lange Sicht eine nachhaltige Lieferkette aufbauen zu können. Das Gesetz, das am 3. März 2013 in Kraft trat, fordert vor allem von den in die Europäische Union importierenden Unternehmen zentrale Nachweise für den Ausschluss von illegalen Holzquellen. Dazu muss jeder Importeur ein betriebliches Sorgfaltspflichtverfahren umsetzen, das sich auf drei zentrale Säulen stützt: • Informationsbeschaffung • Risikobewertung • Risikominderung Quelle: FLEGT-Genehmigungssystem Unabhängige Zertifizierung der Lieferkette Neben den strengen staatlichen Kontrollgremien können sich die Unternehmen der Holzwirtschaft zusätzlich von unabhängigen Zertifizierern prüfen lassen. Hierfür stehen diverse Anbieter wie beispielsweise PEFC oder FSC zur Verfügung. PEFC ist die größte Institution zur Sicherstellung und Vermarktung nachhaltiger Waldbewirtschaftung durch ein unabhängiges Zertifizierungssystem. Gesorgt wird für eine nachhaltige, pflegliche und verantwortungsbewusste Waldbewirtschaftung. So bleiben unsere Wälder auch zukünftigen Generationen erhalten – als Lebensgrundlage, Arbeitsplatz und Erholungsraum. Ziel ist es, die Waldbewirtschaftung ständig zu verbessern, den Wald zu erhalten sowie seine positiven Wirkungen auf die Umwelt zu sichern. Dank eines Akkreditierungsverfahrens nach internationalen Standards wird die Unabhängigkeit der Zertifizierungsstellen in besonders hohem Maße gewährleistet. Im Vordergrund steht die Ermöglichung einer fairen Teilnahme aller Waldbesitzer, unabhängig von der Größe ihres Betriebes, sowie die Rücksicht auf die Vielfalt der Waldökosysteme, des Kulturerbes und der Eigentumsstrukturen. PEFC ist das erste System, das soziale Kriterien nicht nur bei der Waldzertifizierung, sondern auch bei der Produktkettenzertifizierung (Chain of Custody) integriert hat.

NACHHALTIGKEIT 7 Photosynthese Sonnenenergie CO2 O2 O2 Verrottung Verbrennung C Klimaschutz und Ressourcenschonung Kohlenstoffkreisläufe in der Natur Die Kohlenstoffkreisläufe in nahezu allen Ökosystemen werden maßgeblich durch die Photosynthese geprägt, da hierdurch allen Lebewesen energiereiche Baustoffe und Energiequellen geliefert werden. Im Zuge der Photosynthese nehmen Pflanzen während des Wachstums aus der Luft Kohlenstoffdioxid (CO2) und aus dem Boden Wasser und Nährstoffe auf und bauen daraus deren Wachstums- und Strukturgerüst auf. Bei Bäumen liegt dieses Grundgerüst in Form von Holz vor. Während des Photosynthese-Prozesses wird mithilfe von Licht das energiearme Sauerstoffmolekül in den grünen Blättern der Pflanzen zerlegt. Der für die meisten Lebewesen lebensnotwendige Sauerstoff (O), der auf diese Weise als Spaltprodukt entsteht, wird wieder an die Umgebung abgegeben. Der Kohlenstoff (C) hingegen dient dem organischen Aufbau des Baumes und bleibt für seine gesamte Lebensspanne in Form von Biomasse gebunden. So wird der Atmosphäre kontinuierlich durch die Pflanzen das Treibhausgas Kohlenstoffdioxid (CO2) entzogen (siehe Abbildung 3). Als Biomasse versteht man Holz, Blätter, Wurzeln und Humus. Sobald die Biomasse abstirbt, wird durch die Zersetzung wieder Kohlenstoffdioxid freigesetzt, und der natürliche Kreislauf schließt sich. Abbildung 3 – Kohlenstoffkreisläufe in der Natur Zertifizierung bei binderholz Die Rückverfolgbarkeit der Holzherkunft und der Ausschluss von Raubbau sind die Grundlagen der Zertifizierung und garantieren so die Förderung einer sozial- und umweltverträglichen Waldwirtschaft. Die Vielfalt der Pflanzen und Tiere bleibt so erhalten, und auf die sozialen Interessen der Menschen wird Rücksicht genommen. Da auch die weiterverarbeitenden Unternehmen zertifiziert sind, bleibt der Zertifizierungsstatus bis hin zum Endkunden erhalten. Die Waldbesitzer können nicht nur deren Wälder direkt von einer Zertifizierungsstelle zertifizieren lassen, sondern die Rundholzabnehmer können zudem Holz aus nicht zertifizierten Wäldern anhand eines eigens entwickelten Sorgfaltspflichtsystems, welches vorab von einer Zertifizierungsstelle akkreditiert wurde, in Kooperation mit den Waldbesitzern bewerten und bei Unklarheiten von der weiteren Verarbeitung ausschließen. Alle Produkte von binderholz sind zu 100% PEFC-zertifiziert oder aus Holz erzeugt, welches aus PEFC-kontrollierten Quellen stammt. Die Umsetzung der strengen Kriterien des PEFC und eine permanente interne Eigenüberwachung der Rund- und Schnittholzströme in Kombination mit einer jährlichen Fremdüberwachung vor Ort durch ein unabhängiges Zertifizierungsinstitut dienen dazu, die Ziele einer nachhaltigen Holznutzung und somit die Vorgaben des PEFC zu erfüllen. Aufgrund des nachhaltigen und ressourcenschonenden Vorgehens der europäischen Forstwirtschaft, das von einem streng kontrollierten gesetzlichen Rahmen überwacht wird, ist das Bauen mit Holz in jeder Hinsicht sinnvoll. Holz steht in unseren Breiten überall ausreichend zur Verfügung und ist ein natürlicher Rohstoff, von dem kontinuierlich mehr nachwächst als geerntet wird. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Holzwirtschaft seit jeher in Europa fest verwurzelt ist.

NACHHALTIGKEIT 8 Der Wald als Kohlenstoffsenke In Zeiten steigender CO2-Emissionen, bedingt durch verstärkte anthropogene Emissionen, sind durch eine geregelte Forstwirtschaft gepflegte und stabile Wälder, wie sie in ganz Nord- und Zentraleuropa zu finden sind, einer der bedeutendsten Faktoren bei der Reduzierung der CO2-Belastung in der Atmosphäre. Wie wichtig eine geregelte Bewirtschaftung der Wälder durch die Forstwirtschaft ist, zeigt die untenstehende Grafik (siehe Abbildung 4). Während in einem nicht bewirtschafteten Wald die Kohlenstoffbilanz, bedingt durch das Absterben und Verrotten der Bäume, ausgeglichen bleibt, läuft die Bilanzierung in einem bewirtschafteten Wald anders ab: Durch die Holzernte bleibt der Kohlenstoff im geernteten Holz weiterhin gespeichert – die Verrottungsphase wird somit einfach ausgelassen. Würde man die Bewirtschaftung der Wälder einstellen, gäbe es weder Holzprodukte, die zusätzlichen Kohlenstoff speichern, noch Bioenergien, die fossile Energieträger ersetzen könnten. Somit würde die Erderwärmung noch schneller voranschreiten. Daher sind nicht bewirtschaftete Wälder weniger gut für die Atmosphäre als bewirtschaftete. Denn das Holz kann nicht genutzt werden, und durch die natürliche Verrottung wird das CO2, welches der Baum während seiner Wachstumsphase aufgenommen hat, wieder an die Atmosphäre abgegeben. CO2-Sequestration – langfristige Einlagerung und Speicherung von Kohlenstoff Aufgrund der langfristigen Speicherfähigkeit der Bäume auch nach der Ernte tragen nicht nur die Wälder, sondern vor allem auch Bauwerke, Möbel oder sogar Spielzeug aus Holz als Kohlenstoffspeicher zur Reduktion des CO2-Gehaltes in der Atmosphäre bei. Als Faustwert werden in 1 m³ Holz nahezu eine Tonne CO2-Äquivalente aus der Atmosphäre gespeichert. Hochgerechnet sind damit im österreichischen Wald ca. 3 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalente gespeichert. Das ist fast 35-mal so viel, wie in Österreich jährlich an Treibhausgasen emittiert wird. Bäume binden Kohlendioxid und speichern es über einen langen Zeitraum als biogenen Kohlenstoff. Jeder genutzte Stamm schafft Platz für neue Bäume und vermehrt den Kohlenstoffspeicher im Holz. Bauen mit Holz macht somit in jeder Hinsicht Sinn, zumal Holz in unseren Breiten überall ausreichend zur Verfügung steht. Gleichzeitig ist es ein natürlicher und nachhaltiger Rohstoff, der als Kreislaufwerkstoff einer umfassenden Nutzungskaskade unterliegen kann. Abbildung 4 – Auswirkungen der Kohlenstoffsenke zwischen dem Wirtschaftswald und dem Urwald, Zuschnitt 65, proHolz Austria Wälder speichern große Mengen an Kohlenstoff und sind daher wichtig für den globalen Kohlenstoffkreislauf. Seit 1960 hat sich der CO2-Anteil in der Atmosphäre von 218 ppm auf aktuell ca. 385 ppm um 0,039 Prozent erhöht. Ohne CO2 in der Atmosphäre hätten wir eine durchschnittliche Welttemperatur von –16 °C und nicht wie derzeit ca. +15 °C. In Österreich hat die Jahresmitteltemperatur seit 1960 um 1,5 °C zugenommen, während sich die jährlichen Niederschläge im Mittel nicht verändert haben. Wald puffert große Mengen an CO2 und ohne Wald hätten wir eine um 30 Prozent höhere CO2-Konzentration. Die globale Waldfläche ist damit gemeinsam mit den Ozeanen der wichtigste „Klim puffer“ und Wald rhaltu g bzw. ei e Erweit rung der Waldflächen ist Teil des Klimaschutzes. Was bewirkt Waldwirtschaft? Waldökosysteme binden Kohlenstoff. Mit der Kompostierung von abgestorben Biomass se zen Wälder Kohlenstoff f ei. Großflächige, vom Menschen unbeeinflusste Waldökosysteme (Urwälder) binden in etwa die gleiche Menge Kohlenstoff, die sie durch Abbauprozesse freisetzen. Ein 300 Hektar großer Urwald mit einer idealen Altersklassenverteilung ist CO2-neutral und hat somit auch keine Senke l istung. Waldwirtschaft hingegen nutzt Holz am Ende der Optimalphase und führt es idealerweise im Sinne einer sogenannten kaskadischen Verwendung der gesellschaftlichen Nutzung zu. Am Ende des Prozesses verrottet dann Holz wieder bzw. wird für die Energieerzeugung v rwendet. Damit werden fossile E ergieträger (Erdöl, Erdgas) subsituiert und durch die erneuerbare Ressource Holz aus nachhaltiger Waldwirtschaft ersetzt. Im Gegensatz zu einem Urwald hat ein 300 Hektar großer Wirtschaftswald mit idealer Altersklassenverteilung aufgrund von Substitutionseffekten (Ersatz vo fossil m C) einen positiven Effekt. Im Gegensatz zum Urwald wird C bzw. CO2 nicht durch Zersetzungsprozesse freigesetzt, sondern geerntet und erst wieder im Zuge der energetischen Nutzung an die Atmosphäre abgegeben. Das Kyoto-Protokoll Die international wichtigste Vereinbarung zum Klimaschutz ist das Kyoto-Protokoll. Ein wichtiges Ziel des Kyoto-Protokolls ist die Erhaltung der globalen Waldfläche, die außer in Europa aufgrund der Umwandlung in landwirtschaftliche Flächen und Siedlungsraum für die wachsende Bevölkerung abnimmt. Österreich hat sich bei der Klimakonferenz im japanischen Kyoto zu einer Reduktion des CO2-Ausstoßes bis 2012 um 13 Prozent, bezogen auf das Niveau von 1990 (79 Mio. t CO2), verpflichtet. Seit Februar 2005 gilt diese Vereinbarung. Im Jahr 2012 wäre für Österreich ein Ausstoß von 68,87 Mio. t CO2 erlaubt gewesen, tatsächlich betrug dieser 80,2 Mio. t. Hauptverursacher waren der Verkehr (ca. 30 Prozent) und die Industrie (29 Prozent). Auch wenn in Österreich die Waldfläche jährlich um 7.000 Hektar zunimmt und damit ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz geleistet wird, muss Österreich den CO2-Ausstoß senken, um die Klimaziele zu erreichen. Dazu sind auch die Förderung erneuerbarer Energien sowie der Verwendung von Holz, das in Gebäuden, Möbeln etc. als „Zwischenlager“ für Kohlenstoff dient, notwendig. Diese „Zwischenlagerung“ bzw. „kaskadische“ Verwendung von Holzprodukten verringert den CO2-Gehalt in der Atmosphäre. Es wir eine Intensivieru g der Waldwirtschaft erwartet, wobei auf die Nachhaltigkeit zu achten ist. Reisig und Äste müssen im Wald verbleiben, damit es zu keinen Degradierungen der Standorte kommt. Huber t Hasenauer ist Professor für Waldbau und Leiter des Instituts für Waldbau an r Universität für Bodenkultur in Wien. Seine Forschungsinteressen sind Waldbewir tschaf tungskonzepte und Kohlenstoffkreisläufe sowie die Weiterentwicklung und Anwendung von Ökosystemmodellen in der Klimafolgenforschung. I – Optimalphase: Hier f indet das größte Volumenwachstum statt und der Wald speicher t große Mengen an Kohlenstof f. Der Wald ist eine Kohlenstof fsenke. II – Zer fallsphase: Der Wald hat seine physiologische Altersgrenze erreicht , Bäume sterben, ver faulen und geben Kohlenstof f an die Atmosphäre ab. Der Wald ist eine Kohlenstof fquelle. III – Verjüngungsphase: Der Wald bef indet sich am Ende der Zer fallsphase mit viel Verjüngung. Der Wald ist kohlenstof fneutral, weil Abbau- und Wachstumsprozesse in etwa gleich sind. Hubert Hasenauer Der Wirtschaftswald Kohlenstoff wird gebunden, Umtriebszeit 150 Jahre, Kohlenstofffreisetzung er folgt nicht im Wald. Der Urwald Kohlenstoff konstant, man sieht einen vollen Lebenszyklus von 300 Jahren, keine Bewir tschaf tung. 0 50 100 150 200 250 300 Jahre I II III 350 300 250 200 150 100 50 0 Kohlenstoff (t ⁄ ha⁄ a) CO2 Kohlenstof fspeicher im Wald Wachstum und Entnahme Kohlenstof fspeicher im verbauten Holzprodukt stetiges Wachstum durch langfristige Nutzung C C C C C C C C C C C C C C C

RkJQdWJsaXNoZXIy NTQ5ODU5