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Referenz

binderholz Bürogebäude TimberBrain, Hallein | Österreich

Aufgrund der stetig wachsenden Mitarbeiterzahl der Binderholz Bausysteme GmbH am Standort Hallein wurde es notwendig, das bestehende Bürogebäude zu erweitern, um somit ausreichend Platz für bestehende sowie neue Mitarbeiter zu schaffen. Das „TimberBrain“, wie das neue Bürogebäude genannt wird, bietet Kapazität für bis zu 120 Arbeitsplätze mit einer Nutzfläche von 1.335 m². Neben den platztechnischen Vorzügen bringt das neue Gebäude auch viele ökologische und ökonomische Vorteile mit sich.

TimberBrain Bürogebäude Hallein

fakten

Projekt Kosteneffizientes sowie zukunftsweisendes Bürogebäude
Ort Hallein, Österreich
Bauträger Binderholz Bausysteme GmbH
Errichtung 2019
Architektur/Planung Huber-Meixner & Partner Ziviltechniker Gesellschaft m.b.H
Fachplanung TGA IB-Krallinger GmbH
Verwendung 610 m³ binderholz Brettsperrholz BBS, 20 m³ Brettschichtholz und 100 m² 3-Schicht-Platten aus Lärche

Umsetzung

In dem viergeschossigen Neubau befinden sich zahlreiche moderne Büros, ein großzügiger Seminarraum sowie zwei Besprechungsräume. Die Geschosse sind durch ein Stiegenhaus sowie einen Lift miteinander verbunden. Die Zentrale der technischen Gebäudeausrüstung ist am Dach des Gebäudes platziert und wurde mit Brettsperrholz BBS entsprechend eingehaust. Die Neuerrichtung einer Rampe führt zu einer barrierefreien Nutzung des Haupt- und Notausgangs. Auch der Außenbereich wurde neugestaltet, die Parkplätze befinden sich westseitig, der geschützte Innenhof ist mit einem Solitärbaum bepflanzt und bietet sich zur Nutzung während der Arbeitspausen an.

Der Planungszeitraum des gesamten Gebäudes betrug lediglich 12 Wochen inklusive der Fachplanung für die technische Gebäudeausrüstung (TGA), welche in einem sehr hohen Detaillierungsgrad berücksichtigt wurde (Abbundvorgaben, Schlitze, Durchbrüche, u.v.m.). Vom Start der Holzbaumontage bis zum fertig errichteten regendichten Flachdach benötigten die Zimmerer lediglich 12 Arbeitstage. Diese rasche Bauzeit wurde durch die Aufteilung in zwei Montagetrupps sowie die Vorfertigung von größtmöglichen BBS Wänden direkt auf der Baustelle ermöglicht. Das größte montierte Wandelement, knapp 23 m³ binderholz Brettsperrholz BBS, weist Abmessungen von 7,3 m x 13,5 m auf und wiegt ganze 11 Tonnen. Es war ein wirklich sehenswertes Schauspiel, wie die Zimmerer diese Wand mithilfe eines 100 Tonnen Mobilkrans installierten.

Das bestehende Altbürogebäude wurde ebenso komplett neugestaltet. Der ehemalige Haupteingang wurde zu einem Notausgang umgebaut. Diese Verlegung des Eingangs bietet für ein weiteres Büro im alten Gebäudeteil Platz. Ein zweigeschossiger Verbindungstrakt mit zentralem Haupteingang und großzügigem Empfangsbereich verbindet den Altbestand sowohl im Erd- wie auch im Obergeschoss mit dem Neubautrakt.

Für den Neubau des Bürogebäudes wurden insgesamt 610 m³ binderholz Brettsperrholz BBS verwendet. 450 m³ davon waren BBS 125 und 160 m³ BBS XL Elemente. Auch 20 m³ Brettschichtholz und 100 m² 3-schichtige Massivholzplatten aus den Holzarten Fichte, Zirbe, Lärche, Kiefer und Weißtanne wurden in den Neubau integriert. Die tragenden Außenwände wurden mit sogenannten BBS Thermo Elementen realisiert. BBS Thermo Wandelemente sind 23,4 cm dicke BBS Bauteile ohne jegliche zusätzliche Wärmedämmung, welche beim gegenständlichen Projekt außen mit einer gehobelten Lärchen- und innen mit einer geschliffenen Fichtenoberfläche ausgeführt wurden.

Durch diesen Vollholzwandaufbau ohne zusätzliche Wärmedämmung widersprechen wir aufgrund einer Unterschreitung des erforderlichen rechnerischen U-Wertes grundsätzlich den gesetzlichen Vorschriften. Eine im Salzburger Baugesetz verankerte Ausnahmeregelung ermöglicht jedoch einen gesetzeskonformen Einsatz. binderholz hat bereits an mehreren gebauten Objektbeispielen beweisen können, dass die BBS Thermo-Bauweise sehr energie- und wärmeeffizient sowie nachhaltig ist. Um die wärmetechnischen Eigenschaften einer BBS Thermowand wissenschaftlich nachweisbar zu gestalten, werden in unserem Bürogebäude ca. 160 Datenpunkte, u.a. Lufttemperatur-, Luftfeuchte-, Wärmestrahlungs-, Schichttemperatur-, Oberflächentemperatur-, Kerntemperatur- und Luftqualitätssensoren in 4 Forschungs- und Versuchsräumen erfasst. Verschiedene Parameter wie Temperatur- und Feuchteverläufe in den einzelnen Holzschichten der Außenwand, Wärmefluss im Wandaufbau, Oberflächentemperaturen und Luftströme im Innenraum, Raumluftqualität (Temperatur, Luftfeuchte und CO2) sowie flüchtige organische Inhaltsstoffe des Holzes (VOC) werden langfristig aufgezeichnet und wissenschaftlich ausgewertet.

Besonderheiten des Materials

BBS ist monolithisch aufgebaut, also gewissermaßen „ein Stück Holz“, mit nur 0,6% ökologisch unbedenklichem Leimanteil. Das massive Fertigteil kann hohe Lasten tragen, ist brandsicher, lässt sich schnell und trocken verbauen und wirkt schall- sowie wärmedämmend. Es trägt zur Regulierung der Raumluftfeuchte bei und schafft so ein behagliches und ausgeglichenes Raumklima - im Sommer wie im Winter. Ganz besondere Zukunftspotentiale sieht binderholz hierbei in Konstruktionen aus dem sogenannten BBS Thermowänden, einer rein massiven Brettsperrholzkonstruktion ohne zusätzliche Wärmedämmebene, mit einer äußeren Lärchenholzschicht für den konstruktiven Holzschutz der Fassade. Bei dieser Massivholzkonstruktion wird die 1-Stoff-Philosophie vollends gelebt. BBS Thermo kombiniert die bekannten technischen Vorteile massiver Konstruktionen mit den ökologischen Vorteilen des nachhaltigen Rohstoffes Holz.

Aus Überzeugung bezüglich der Material- und Konstruktionseigenschaften hat binderholz bereits drei Verwaltungsgebäude mit BBS Thermowänden errichtet: das Verwaltungsgebäude der Binderholz Deutschland GmbH in Kösching / Deutschland (276 mm BBS Thermowand), das Verwaltungsgebäude der Binderholz Unternberg GmbH in Unternberg / Österreich (200 mm BBS Thermowand) und das Verwaltungsgebäude der Binderholz Nordic Oy in Lieksa / Finnland (234 mm BBS Thermowand). In diesen Gebäuden wurden bisher sehr positive Erfahrungen mit dem Produkt BBS Thermo gesammelt, vor allem im Hinblick auf den Energieverbrauch für Heizen und Kühlen sowie die innenraumklimatischen Wirkungen des Baustoffs.

Konzept

Der neu gebaute Bürokomplex am binderholz Vertriebsstandort in Hallein ist definitiv ein Holzbau mit vielen Besonderheiten. Der viergeschossige Zubau wurde durch einen zweigeschossigen Verbindungstrakt mit dem bestehenden Betriebsgebäude zusammengefügt. Die Erweiterung war nötig, um das immer größer werdende Team weiterhin unterbringen zu können.

Das Treppenhaus besteht aus BBS REI60 Umfassungswänden (Brandschutz 60 Minuten), die mit einer 12,5 mm dicken Gipskartonplatte A2 verkleidet wurden. Die Stiege selbst ist eine reine Massivholzkonstruktion aus BBS REI60 mit einer lichten Laufbreite von 1,20 m und wurde ebenfalls mit einer 12,5 mm dicken Gipskartonplatte A2 verkleidet. Neben dem Stiegenhaus gibt es zudem einen Personenaufzug für bis zu 8 Personen vom Erdgeschoss bis zum dritten Obergeschoss. Die Größe der Kabine beträgt 110/140 cm. Der Liftschacht besteht aus einem mehrschaligen Aufbau: BBS REI60 Wandbauteil, Mineralwolle, BBS REI60 Wandbauteil und einer GKF-Verkleidung innen (A2). Die Fundamentplatte wurde aus Stahlbeton gefertigt. Alle Außenwände sowie alle tragenden Innenwände bestehen aus Brettsperrholz BBS REI60 lt. Statik. Die nichttragenden Wände bestehen aus Brettsperrholz BBS mit einseitig vorgesetzten Gipskartonwänden.

Da Massivholz sehr vielseitig einsetzbar ist, wurde auch für das Dach des Bürogebäudes Brettsperrholz BBS REI60 lt. Statik und eine Gefälledämmung lt. Bauphysik verwendet. Im gesamten Gebäude wurden Holz-Alu Fenster mit 3-Scheibenisolierverglasung installiert. Nicht nur die Nutzung des Haupt- und Notausganges ist barrierefrei, sondern das komplette Gebäude. Zusätzlich wurde für einen überdachten Fahrradabstellplatz, einen überdachten Pausenplatz sowie einen ebenfalls überdachten Müllplatz gesorgt.

Die Wärmeversorgung erfolgt durch die eigene Nahwärmeanlage mit Wärmetauscher, welcher im Altbestand untergebracht wurde. Die Beheizung funktioniert mittels Niedertemperatur-Flächenheizungsystemen, welche an den Bürodecken angebracht wurden. Die innenliegenden Funktionsräume im Kern des Gebäudes (Nassgruppen, Teeküchen, Technikräume, etc.) werden nicht beheizt. Die Kühlung des Gebäudes erfolgt über ein wassergeführtes System mit Grundwasser. Die Wärme wird über das Heiz-/Kühldeckensystem abgeführt (sanfte Kühlung) und über einen Trennwärmetauscher dem Grundwasser übergeben = 100% Freecooling. Die erforderliche Frischluft wird vorkonditioniert (gekühlt/geheizt) über eine raumlufttechnische Anlage (RLT-Anlage) eingebracht, die Versorgung erfolgt ebenfalls über die Biomasseanlage bzw. das Grundwasser. Um die Energie der Abluft dem Gebäude wieder rückführen zu können, ist die RLT-Anlage mit einer Wärmerückgewinnungsanlage ausgestattet. Durch die zusätzliche Herstellung eines Dampfbefeuchters handelt es sich bei der RLT-Anlage um eine Vollklimaanlage - die Dampferzeugung erfolgt elektrisch, wobei die elektrische Energie von einer PV-Anlage am Dach des Gebäudes aus Sonnenenergie generiert wird. Diese PV-Anlage (30 kWp) versorgt auch sämtliche weitere Stromverbraucher im Bürohaus und speist den vorhandenen Überschussstrom in das bestehende Stromnetz am Industriegelände ein.

Mehr als nur ein Bürogebäude

Mithilfe der Errichtung des neuen Verwaltungsgebäudes der Binderholz Bausysteme GmbH am Standort Hallein möchte binderholz die Art, Weise und Funktion dieser neuen, optimierten BBS Thermo Bauform genauer untersuchen. Dabei stehen vor allem die bauphysikalischen Eigenschaften und das Verhalten der Konstruktion unter Realbedingungen im Vordergrund. Die Untersuchungen sollen im Zuge eines wissenschaftlich begleiteten Forschungsprojektes in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität München, dem Lehrstuhl für Holzbau und Baukonstruktion, unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing Stefan Winter durchgeführt werden.

Parallel dazu möchte binderholz in diesem Gebäude in Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualitätsmanagement und Umfeldhygiene (D-Weikersheim), der Praxis für Gesundheitsvorsorge von Karl-Heinz Weinisch (D-Weikersheim) die innenraumlufthygienischen Aspekte der Gebäudekonstruktion sowie die positiven Wirkungen dieser auf den arbeitenden Menschen genauer untersuchen. Das errichtete 4-stöckige Gebäude ist hierfür ideal, um entsprechende Langzeitversuche, auch unter Einbezug des Nutzerverhaltens der Mitarbeiter, durchführen zu können.

Fotos: ©binderholz

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